WIEN FEIERT EIN GIGANTISCHES LAUFABENTEUER

08.05.2016

Wien feiert ein gigantisches Laufabenteuer

Der Wings for Life World Run in Wien liefert Emotionen pur, in Italien & Kanada fällt die 80km-Marke 

Von Henner Thies 

Jubelnde Massen, Sonne pur, eine zu Tränen gerührte Siegerin, ein überglücklicher Andi „Mara-Toni“ Goldberger und ein dramatisches Finale bei den Herren haben den dritten Wings for Life World Run in Wien zu einem 14,000 Teilnehmer-starken, nie dagewesenen Laufabenteuer gemacht. Auch auf internationaler Ebene purzeln die Rekorde: In Italien knackt Giorgio Calcaterra die 80-km-Marke & krönt sich zum neuen Global Champ. Die Spendensumme 2016 beträgt unglaubliche 6,6 Millionen Euro.

 

Die Welt vereint in einem Lauf – auch in Wien.   ©Philip Platzer

 

Allein der Start des dritten Wings for Life World Runs lieferte Gänsehaut pur. Um Punkt 11 Uhr UTC starteten tausende Läufer an 34 Austragungsorten weltweit und per Selfie-Run in ein Rennen, für den guten Zweck. Während weltweit über 130,000 Menschen für den guten Zweck starteten, liefen in Österreich rund 14,000 Läufer für die, die es nicht können – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Unter ihnen Sportstars wie Marcel Hirscher und Andi Goldberger sowie der zweimalige Wings for Life World Run-Sieger Lemawork Ketema und sein ärgster Widersacher aus dem Jahre 2014, Evgnii Glyva.

Das Startsignal in Wien gaben die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg und der ehemalige Skispringer Lukas Müller, die beide aufgrund eines Unfalls seit kurzem im Rollstuhl sitzen. Beide nahmen am Rennen teil.

„Das war ein ganz besonderes Event für mich“, strahlte Kira nach Ende ihres Rennens.  Zu sehen, dass so viele Menschen in Wien und weltweit für die laufen, die es nicht können, ist unbeschreiblich.“ – Kira Grünberg

 

Kira, Lukas und Co. vor dem Start in Wien.     © Philipp Schuster for Wings for Life World Run

 

Lukas Müller lief gemeinsam mit Thomas Morgenstern rund 10km bevor ihr Rennen vom Catcher Car beendet wurde: „Bergauf hat mich der Thomas super geschoben, bergab war es für uns beide leichter“, freute sich Lukas Müller. Für Marcel Hirscher war nach 23 Kilometern Schluss – gut drei Kilometer über seinem anvisierten Ziel. „Wenn ich 20 km weit komme, bin ich mehr als happy“, meinte Hirscher vor dem Start. Nach über zwei Laufstunden freute er sich vor allem über seine mentale Stärke: „Mit den Erfahrungen aus dem letzten Jahr bin ich souveräner gelaufen. Bei wirklich tollem Wetter durch Wien zu laufen hat großen Spaß gemacht.“

 

Marcel Hirscher begrüßt das Catcher Car.    © Philipp Schuster

 

Für den wohl emotionalsten Moment sorgte die Österreicherin Cornelia Moser, die das Rennen der Frauen in Wien nach 56,88km gewann. „Ich habe den Lauf einfach nur genossen“, sagte eine zu Tränen gerührte Österreich-Siegerin, die weltweit letztlich auf Rang vier landete.

„Es war wunderschön. Voriges Jahr hat mein Papa einen schweren Unfall gehabt und konnte drei Monate nicht laufen. Zu wissen was das heißt, macht diesen Lauf für mich noch besonderer. Diesen Sieg widme ich deshalb meinem Vater.“ – Cornelia Moser

 

Cornelia Moser darf sich nach rund 57km feiern.

 

Andreas Goldberger überraschte einmal mehr mit 42km, obwohl es ihn bei der Vorbereitung nach eigener Aussage immer wieder im Oberschenkel zwickte. „Nennt mich Mara-Toni!“, scherzte die Skisprung-Legende unmittelbar nach Ende seines großartigen Rennens.

„Das hätte ich nicht gedacht! Der Körper tut jetzt schon sehr weh, aber wenn ich an die Leute denke, denen gerne mal die Füße brennen würden, dann hat sich die Quälerei gelohnt.“ – Andi Goldberger

 

Andi Goldberger: „Nennt mich ‚Mara-Toni’!“   © Philipp Schuster for Wings for Life World Run

 

An der Spitze in Österreich lieferten sich wie 2014 erneut der zweimalige Global Champ Lemawork Ketema und der Ukrainer Evgenii Glyva ein packendes Rennen – zumindest über die ersten 42km. Denn die zwei Top-Läufer starteten ihren Lauf 2016 unter vollkommen unterschiedlichen Vorzeichen: Während Ketema aufgrund seiner angestrebten Olympiateilnahme im Vorfeld klar gemacht hatte, dass er in Wien nicht um den Sieg mitlaufen würde, hatte Evgenii Glyva nur eins im Sinn: „Ich will die 80km knacken.“

Im Rennen kristallisierte sich dann heraus, dass Lemawork Ketema die Order seines Trainers Harald Fritz ignorierte. Statt wie geplant beim Riesenrad auszusteigen, lief der gebürtige Äthiopier den Marathon zu Ende, bevor er sein Rennen bei km42 abbrach.

„Ich habe mich gut gefühlt, also dachte ich, mache ich den Marathon voll. Für mich war das eine super Trainingseinheit.“ – Lemawork Ketema

 

Mit purem Willen zu km 68 & dem Sieg: Evgenii Glyva.   © Philip Platzer for Wings for Life World Run

 

Damit war Evgenii Glyva nach gut zweieinhalb Stunden alleiniger Führender beim Lauf Wien. „Ich wäre mit Lemawork gerne erneut ins direkte Duell um den globalen Sieg gegangen“, so Evgenii nach dem Rennen. „So musste ich die 80km allein in Angriff nehmen.“ Weil der Ukrainer dies an der Seite von Ketema viel zu schnell tat, musste er nach rund 55km von Krämpfen geplagt immer wieder stehen bleiben. Den Sieg in Wien sicherte sich Glyva nach 67,9 teils äußerst schmerzhaften Kilometern dennoch – weltweit reichte es für Rang 8.

 

Daumen hoch für Alana Nichols in Wien!   © Philip Platzer

 

Bei den Rollstuhlteilnehmerninnen sicherte sich die Amerikanerin Alana Nichols mit 20,85km den Sieg in Österreich. Bei den Männern siegte Daniel Konsch mit sagenhaften 29,94 km.

International lieferten sich der Italiener Giorgio Calcaterra in Mailand und der Polen Bartosz Olszewski in Kanada einen packenden Zweikampf um den globalen Sieg. Nach fünfeinhalb Stunden und 88.4km war klar: der globale Wings for Life World Run Champ 2016 heißt Giorgio Calcaterra.

„Mit dem Sieg hatte ich absolut nicht gerechnet! Nach 50km habe ich gemerkt, dass es läuft, also habe ich mich entschlossen, die 80km zu versuchen.“  – Giorgio Calcaterra

 

88.4km! Calcaterra ist der neue Global Champ.   © Daniele Molineris for Wings for Life World Run

 

Bei den Frauen setzte Kaori Yoshida im japanischen Takashima neue Maßstäbe. Sie überbot die Bestmarke von Yoko Watanabe aus dem Vorjahr um fast 10km auf insgesamt 65,8km. Damit lief sie als erste Dame in der Geschichte des Wings for Life World Run über 60km. Die Österreicherin Karin Freitag wurde mit 59,08km in München weltweit Zweite – wenige Meter vor Vera Nunes, die in Portugal mit 58,86km auf Rang 3 in der Welt lief.

Wings for Life Geschäftsführerin Anita Gerhardter hatte kurz nach Rennende bereits die unglaubliche Spendensumme parat. 

„Heute haben wir 6.6 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt – unser Dank gebührt allen, die den dritten Wings for Life World Run möglich gemacht haben – You rock!“ – Anita Gerhardter. 

 

HIER geht’s zur Anmeldung für den nächsten Lauf am 7. Mai 2017.

SEI DABEI!

Beim Wings for Life World Run am 6. Mai 2018 – Schließ dich tausenden Läufern weltweit an und werde Teil des außergewöhnlichsten Lauf-Events des Jahres. Fass dir ein Herz, nominiere deine Freunde, fordere deine Familie heraus und lauf für diejenigen, die nicht laufen können.

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