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„WIR ZÄHLEN DIE TAGE, BIS ES IN WIEN WIEDER LOSGEHT!“

08.02.2019

„Wir zählen die Tage, bis es in Wien wieder losgeht!“

Max Pölzl beim Start in Wien 2018

Drei Monate vor seiner Matura fällt der damals 19-jährige Max Pölzl im Winterurlaub von einem Dach. Er bricht sich den fünften Halswirbel und ist seither querschnittsgelähmt. Im Interview erzählt er, was ihm neben dem Wings for Life World Run hilft, nach vorne zu blicken.

Von Henner Thies

Max, welche Erinnerungen hast du an den Tag, der dein Leben für immer verändert hat?

An den Tag selber und speziell den Unfall habe ich keinerlei Erinnerungen. Mir fehlen fünf Stunden vorher und drei Tage nachher. Erinnern kann ich mich nur an das Aufwachen im Spital. Ich wusste nicht wo ich bin oder was passiert ist. In der ersten Visite haben mir die Ärzte dann erklärt, was passiert ist, was gemacht wurde und was der Status Quo ist.

Wie war der Status Quo zu diesem Zeitpunkt?

Man wusste direkt, dass ich mir den 5. Halswirbel gebrochen habe und auf der Höhe einen kompletten Querschnitt habe. 

Ich hatte tolle Ärzte, die mir direkt und schonungslos die volle Wahrheit gesagt haben: was passiert ist, wie schwer meine Verletzung ist und was jetzt zu tun ist. – Max Pölzl

Inwieweit hat dir diese Diagnose Angst gemacht?

Am Anfang weißt du nicht, das an so einer Diagnose alles dran hängt und welche Konsequenzen sie hat. Im Spital ist alles auf dich gemünzt und du wirst rundum bei allem unterstützt. Erst in der Reha, wo man auf den Alltag alleine vorbereitet wird, merkt man, was es heißt, im Rollstuhl zu sitzen – sowohl was Herausforderungen im Alltag betrifft, als auch medizinische Aspekte, wie Hautpflege, Ernährung und so weiter.

Wie schwer war die Reha-Phase für dich, in der man, wie du sagst, erst realisiert, in welchen neuen Lebensumständen man sich befindet? 

Der Schritt des Akzeptierens ist kein leichter, aber in der Reha muss man ihn machen. Nach den drei Monaten im Spital war ich in der Reha-Klinik in Bad Häring, wo ich super betreut wurde und tolle Physiotherapeuten hatte, die mich bestens auf mein neues Leben vorbereitet haben – vor allem mit Muskelaufbau und viel Training, damit ich mich schnell alleine im Rollstuhl bewegen konnte.

Als ich im Spital das erste Mal nach dem Unfall mit meiner Mutter geredet habe, wusste ich bereits, dass ich mein Leben da weiterführen möchte, wo es unterbrochen wurde. – Max Pölzl 

Wer oder was hat dir in den ersten Wochen und Monaten geholfen, dein Schicksal anzunehmen und nach vorn zu schauen?

Wahnsinnig geholfen hat mir meine Familie! Bei meinem Unfall war ich 19 Jahre alt. Ich bin quasi durch den Unfall ausgezogen – von Tirol nach Wien, wo wir gemeinsam die neue Wohnung Rollstuhl gerecht umgebaut haben, sodass ich mit meiner Freundin dort einziehen konnte. Diese Veränderungen haben mir definitiv geholfen, diesen neuen Lebensabschnitt zu meistern.

Inwieweit hat sich dein Leben seit deinem Unfall verändert – positiv wie negativ?

Es hat sich hauptsächlich positiv verändert. Die Ziele, die ich mir gesteckt habe, habe ich bisher alle erreicht. Ich bin viel selbständiger geworden, lebe in Wien und habe tolle Assistenten an meiner Seite, die mir helfen mein Leben zu 100 Prozent selbst zu gestalten, im Alltag wie in der Uni.

Bauliche Maßnahmen sind in meinem Alltag das größte Hindernis. Es wird zwar immer besser, aber ich möchte hier trotzdem nochmal daran appellieren, mehr barrierefrei zu bauen. – Max Pölzl

Mit welchen Herausforderungen hast du heute vor allem zu kämpfen und wie meisterst du sie im Alltag?

Bauliche Maßnahmen sind in meinem Alltag das größte Hindernis. Es wird zwar immer besser, aber ich möchte hier trotzdem nochmal daran appellieren, mehr barrierefrei zu bauen. Nicht nur für Rollstuhlfahrer, auch für viele andere Menschen. Abgesehen davon erfahre ich in meinem Freundes- und Familienkreis sehr große Akzeptanz. 

Wie groß ist der Wunsch, irgendwann wieder gehen zu können?

Er ist definitiv da. Ich quäle mich zwar selten, mit Rückblicken, wo ich denke, das und das würde ich gerne mal wieder machen. Ich sehe es eher so: Alles was ich früher gemacht habe, Snowboarden, Ski fahren, Radfahren, Klettern, das alles habe ich damals genossen und ich finde es toll, dass ich das ausprobieren konnte. Jetzt mache ich alles, was noch geht und freue mich darüber. Zum Beispiel habe ich vor kurzem angefangen, im Exoskelett zu trainieren – eine tolle Erfahrung und ein sehr effektives Training, das meine Stabilität im Oberkörper seither massiv verbessert hat!

Inwiefern bestärken dich Erfahrungen wie das Trainieren im Exoskelett in deinem Wunsch, eines Tages wieder laufen zu können?

Ich bin überzeugt davon, dass es für Querschnittsgelähmte irgendwann wieder möglich sein wird, wieder gehen zu können – auf welche Weise auch immer. Da vertraue ich 100 Prozent in die Forschung. Max beim Training mit dem Exoskelett. © APA Fotoservice Rastegar für Wings for Life World Run

Das Schöne ist: unterm Strich bist du am Ende des Wings for Life World Runs mit jeder Kilometerzahl zufrieden. – Max Pölzl

Stichwort Wings for Life World Run: Was verbindet dich mit dem Event?

Ich bin durch meinen besten Freund auf den Lauf aufmerksam geworden: 2014 hat er mir den Link zur Veranstaltung geschickt. Im ersten Jahr ist mein Kumpel gemeinsam mit einigen Freunden und Familienmitgliedern gestartet, 2015 bin ich selbst das erste Mal mitgestartet: Ein wirklich tolles Erlebnis! Besonders begeistert hat mich die Stimmung. Das war eine gigantische, beflügelnde Atmosphäre – insbesondere beim Start, wenn man sehnlich darauf wartet, dass es endlich losgeht. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Wo startest du in diesem Jahr?

Ich starte in Wien. Das ist eine herrliche Kulisse, in der man teilnehmen kann. Zudem feuern dich Tausende am Straßenrand und beim Rennen an und applaudieren dir – das motiviert zusätzlich! Wir sind seit einiger Zeit angemeldet und zählen die Tage, bis es losgeht.

Mit welchem Ziel gehst du in Wien am 5. Mai an den Start?

Ich starte wie die letzten drei Mal mit meinem besten Freund. Das weiteste, was ich bisher geschafft habe, waren 15 km. Die zu toppen, wäre nicht schlecht. Ich denke das ist für mich auch gut machbar. Aber unterm Strich ist es ja so, dass du am Ende des Laufs mit jeder Kilometerzahl zufrieden bist.

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