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LUKAS MÜLLER: „MEINE SCHRITTE SIND EIN GROßER TRIUMPH, ALLTAGSTAUGLICH SIND SIE NOCH NICHT!“

06/20/19

Lukas Müller: „Meine Schritte sind ein großer Triumph, alltagstauglich sind sie noch nicht!“

Lukas Müller auf dem Weg zu 28,36 km beim Wings for Life World Run 2019. © Philipp Greindl für Wings for Life World Run

 

Im Interview spricht der Wings for Life World Run Botschafter Lukas Müller über seine jüngsten Erfolge, das Annehmen von Herausforderungen und einen spannenden Umbruch.

 

Von Henner Thies

 

Lukas, am 12 Juni hast du ein Video gepostet, in dem du einige Schritte ganz ohne Unterstützung gehst – was bedeuten diese Schritte für dich?

Gleich nach dem Unfall bin ich sechs Wochen im Krankenhaus gelegen und dachte mir: wenn ich jemals irgendwann wieder aufstehen und ohne fremde Hilfe nur ein paar Schritte gehen kann, habe ich alles erreicht, was ich erreichen will. Drei Jahre später habe ich dieses Ziel erreicht – wenn auch in einer Therapiesituation mit langer Vorlaufzeit und nur kurz. Für mich ist das eine absolute Sensation! Wenn du dich in einer Querschnittssituation wiederfindest, bist du bei jedem klaren Fortschritt eine Mischung aus dankbar und demütig. Ich möchte aber auch klarstellen: Unterm Strich ist das Video dafür da, dass ich herzeigen kann, was möglich ist.

Was waren einige Meilensteine auf dem Weg zu diesem beachtlichen persönlichen Erfolg?

Man muss wissen: Ein Querschnitt heilt, wenn er überhaupt heilt, nie linear. Das ist immer ein Auf und Ab. Vor diesem Hintergrund ist ein Meilenstein sicher das Video, das ich letzten Juni gepostet habe, in dem ich vom Boden kniend ohne Hilfe aufstehe. Da habe ich gesehen, wie viel Rumpfkraft ich im Vergleich zum Anfang dazugewonnen habe. Dieser Moment, dieses Aufstehen, hat mir deutlich vor Augen geführt, dass noch einiges geht!  

Neben dem jüngsten Reha-Video hast du eine Liste gepostet, in der du die wichtigsten Erfolge der letzten 41 Monate auflistest – welcher der aufgelisteten Erfolge wiegt momentan am schwersten? So verrückt es klingen mag, der Punkt mit dem gewonnen Rechtsstreit. Ganz einfach, weil das etwas ist, was ich nicht alleine beeinflussen konnte. Alles, was mich und meine Querschnittslähmung angeht, da weiß ich, was rein theoretisch möglich ist und da tue ich alles in meiner Macht stehende dafür, das auch zu erreichen. Bei dem Rechtsstreit hingegen gab es von Anfang an unzählige Unwägbarkeiten, die niemand wirklich beeinflussen konnte. Zudem war mein Gegner nicht irgendjemand, sondern der ÖSV, Österreichs größter Verband! Von daher ist dieser Erfolg für mich persönlich der überraschendste und weitreichendste – auch weil er eben nicht nur mich betrifft, sondern potenziell tausende andere Sportler und Betreuer in Österreich. Ich weiß jetzt, dass meine Kollegen, im Falle eines Unfalls, nicht denselben Weg gehen müssen wie ich. Das tut extrem gut!


Ein echtes #Stehaufmandl: Lukas Müller lässt sich nicht unterkriegen. © Matthias Heschl für Wings for LIfe World Run

Der Erfolg gibt dir Recht und doch gab es auf dem Weg dorthin sicherlich Momente, in denen du dachtest, ich pack es nicht mehr. Woher hast du die Kraft für die Anstrengungen der letzten Monate genommen?

Neben all den Menschen, die meine jüngsten Erfolge möglich gemacht haben, war eine Kraftquelle sicherlich die Steffi Füreder, die Therapeutin, die in den letzten 18 Monaten mit mir gearbeitet hat. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit hat sie mir direkt gesagt: „Na, na, bei dir ist noch einiges drin...“ 18 Monate später merke ich, sie hat absolut Recht gehabt! Grund für den Erfolg, den sie mit möglich gemacht hat, ist sicher auch ihr Gespür abseits der Therapiesituation. Wenn man bedenkt, dass der angesprochene Rechtsstreit meine Therapie nicht leichter gemacht hat sondern lange Zeit wie ein Damoklesschwert über mir geschwebt ist, muss ich sagen, dass mir die Steffi in dieser Zeit auch mental extrem weitergeholfen hat.

 

Steffi Füreder und Lukas bei der Therapie. © Thomas Kaserer Fotografie

Das Medienecho nach deinem Video-Posting war groß – was denkst du über die Art, wie über deine Fortschritte berichtet wird?

Ich freue mich, dass über meine Fortschritte überhaupt berichtet wird, weil ich weiß, dass persönliche Erfolge, Menschen inspirieren, die ein ähnliches Schicksal ereilt hat. Gleichzeitig muss man das, was zum Teil aus meinen Schritten gemacht wurde, relativieren: Meine eigenständigen Schritte zeigen, was möglich ist und sind ein großer persönlicher Triumph, aber alltagstauglich sind sie nicht!

Was sind deine nächsten realistischen Ziele?

Das ist jetzt ziemlich spannend. Meine Therapeutin, die Steffi, zieht in die Schweiz, um dort beim größten Reha-Zentrum Europas zu arbeiten. Von daher muss ich jetzt erst einmal wieder eine neue Therapeutin finden. Abgesehen davon gilt es jetzt, das freie Gehen, was wir gemeinsam erreicht haben, zu manifestieren und auszubauen – bis mein Körper mir die Grenzen aufzeigt und sagt: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Solange das nicht passiert ist, geht es weiter, immer weiter. Dasselbe Motto werde ich auch beim kommenden Wings for Life World Run in Wien am 3 Mai 2020 wieder verfolgen, wenn ich im Rollstuhl am Start stehe.

HIER geht’s zur Voranmeldung für den Wings for Life World Run 2020!

 

 

 

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