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DIE GESCHICHTE DES QUERSCHNITTSGELÄHMTEN LORENZ SCHWÄRZLER, DER AM WINGS FOR LIFE WORLD RUN TEILNIMMT

04/24/19

Die Geschichte des querschnittsgelähmten Lorenz Schwärzler, der am Wings for Life World Run teilnimmt

Als Lorenz Schwärzler am Jones Beach von New York im Wasser des Atlantischen Ozeans wieder bei Sinnen ist, sieht er neben sich sein Hände schweben. Bewegen kann er sie nicht, er hat die Kontrolle über seinen Körper komplett verloren. Und der 19-Jährige denkt: «Oh mein Gott, jetzt sterbe ich hier. Und ich habe noch nicht einmal Kinder gehabt.»

In seinem Kopf ziehen Szenen aus der Kindheit vorbei, aus dem Kindergarten und der Schule, die er in seinem Heimatland Österreich absolviert hat. Und seine Cousine, die im weissen Sand dieses Strands von Long Island die Szene beobachtet, denkt: «Warum schwimmt der denn nicht?» Sie alarmiert die Lifeguards, drei von ihnen sprinten ins Wasser, wie man das von Baywatch kenne, erzählt Schwärzler, und bringen ihn am Land.

Das alles passiert am 24. August 1987. Nach dem Badeunfall ist Schwärzler zehn Tage komplett gelähmt. Er war von der Szenerie dieses Sandstrands überwältigt und sprang ins Wasser, landete auf einer Sandbank und brach sich einen Halswirbel.

Mit dem Gefühl der jugendlichen Unbesiegbarkeit denkt der 19-Jährige Lorenz Schwärzler: «Ich werde sicher wieder gehen können!»

Die Ärzte diagnostizieren eine inkomplette Querschnittslähmung. Anders als bei einer Querschnittslähmung ist das Rückenmark also nicht ganz durchtrennt. Gewisse Körperfunktionen werden möglich sein, sagen ihm die Ärtze. Aber gehen werde er nicht mehr können. Schwärzler nimmt die Aussagen zur Kenntnis. Aber glauben will er sie nicht. Er spielte vor seinem Unfall Basketball, ist Mitglied des österreichischen Alpenvereins, hat eben eine Lehre als Maschinenschlosser abgeschlossen und ist kräftig gebaut. In seinem Wesen wohnt die Unbesiegbarkeit der Jugend, diese beflügelnde Kraft, und er denkt: «Ich werde sicher wieder gehen können!»

Heute, also 32 Jahre später, führt Schwärzler ein normales Leben. Er ist zwar auf Gehstöcke angewiesen und kann kaum länger als zehn Minuten stehen. Aber er ist mobil, sogar Autofahren ist möglich. Der 51-Jährige lebt im österreichischen Hörbranz neben dem Bauernhof, auf dem er aufgewachsen ist. Zusammen mit seiner Frau, mit der er zwei Töchter hat, die eine 15, die andere 18 Jahre alt.

Von seiner Querschnittslähmung hat er sich nicht das Leben verbieten lassen. In seinen jungen Jahren hat er zum Beispiel als Reisender Afrika erkundet. Unter anderem mit einem Freund, der im Rollstuhl saß. Als sie mit ihrem umgebauten Auto durch die Sahara fuhren, «staunten die Menschen nicht schlecht, als sie uns zwei sahen: der eine gehbehindert, und der andere im Rollstuhl», sagt Schwärzler heute schmunzelnd.

MysoSwiss im Portrait auf redbull.ch

Zuhause sagt Lorenz Schwärzler: «Ich will einen Marathon gehen.» Seine Frau antwortet: «Was willst du?» 

Damals hätte er kaum daran geglaubt, dass er dereinst sogar an Laufveranstaltungen teilnehmen würde. 2019 tut er das, dank MyoSuit, einem Anzug, der eine Art zusätzliche Muskelschicht ist, die Kraft und Stabilität verleiht. Am 5. Mai startet Schwärzler damit am «Wings for Life World Run» in Zug. Sein Ziel ist es, mindestens 2-4 Kilometer zu absolvieren.

Schwärzler erinnert sich an den Moment, als er den Anzug testen konnte. Irgendwann klappte es so gut, dass er das Gefühl hatte, fliegen zu können. In diesem Moment entscheidet er: «Ich will einen Marathon gehen.» Als er das zuhause seiner Frau erzählt, sagt sie erst ungläubig: «Was willst du?»

In Zug wird Schwärzler sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Und irgendwann in den Tagen danach wird er darauf zurückblicken. Womöglich auf seinem Pferd sitzend, neben ihm seine Frau, die das Tier mit dem Namen Parquita führt. Pferde haben Schwärzler immer viel bedeutet. Als Kind ist er mit ihnen auf dem elterlichen Hof aufgewachsen. Und jetzt, als Mensch mit Querschnittslähmung, sind sie Teil seiner Mobilität.

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