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WIE MAN RISIKEN RICHTIG EINSCHÄTZT

02/13/17

Wie man Risiken richtig einschätzt

Von Thierry Kuhn 

Hochseil-Artist Freddy Nock erklärt, wie man richtig entscheiden lernt.


Leute auf Social Media zeigen wenig Mitleid mit Extremsportlern, die durch einen Gleitschirmsprung oder Ähnliches im Rollstuhl landen. Dabei machen die wohl mehr Risikoeinschätzung als andere.

Klar, mit dem muss ich zum Beispiel ja immer rechnen, dass etwas passieren kann. Dann weiss ich aber auch, warum. Es ist wie eine Schizophrenie der Gesellschaft: Einerseits ist da diese Sensationsgeilheit, und andererseits erwartet man insgeheim schon fast, dass ein Unheil passiert. Das geht einem Autorennfahrer oder Skifahrer ja nicht anders. Wenn es denn auch tatsächlich passiert, sind diese Leute die ersten, die den Vorwurf bringen, dass sie sich das selbst zuzuschreiben haben. Vielleicht wird an der Sicherheit geschraubt, aber der Sport läuft trotzdem weiter. Und gleichzeitig erwarten die Menschen von Event zu Event stets eine Steigerung – in jeder Sportart. 


Dann machen wir mal Risikoeinschätzung: 


Was würdest du eher.... 


....nicht angeschnallt Autofahren oder ohne Balancier-Stange hochseillaufen?

Das hat sich wohl schon selbst beantwortet (lacht). 


....ein abgelaufenes Joghurt Essen oder Bungee-Jumping im Vulkan?

Bungee-Jumping. Aber es gab eine Zeit, in der ich im Schwimmbad nicht mal aus 10-Meter gesprungen bin. 5 Meter vielleicht. Es geht ja doch in eine andere Richtung als auf dem Seil. Aber heute ist das schon einfacher, ein Bungee-Jump würde ich wohl wagen. 


...blind über die Strasse gehen oder Basejump vom Titlis machen?

Basejump vom Titlis.

 

...Päckli Zigaretten rauchen oder Hochseilakt auf 4000 Meter?

Ich würde eher laufen. Aber ich könnte ja auch auf dem Seil rauchen.

Freddy Nock, Hochseilkünstler

Macht es das schwieriger, neue Partner und Sponsoren zu finden?

Früher konnte man relativ einfach etwas auf die Beine stellen, das bei den Leuten angekommen ist. Aber heutzutage wird es von der Gesellschaft schnell mal hinterfragt, ob es überhaupt nötig ist. Je grösser etwas wird, desto mehr Diskussionen gibt es einfach. Das schlägt sich natürlich auch aufs Sponsoring nieder. Man tut sich diesbezüglich derzeit etwas schwer. Erst kürzlich hatten wir ein Projekt in der Pipeline, das später abgesagt werden musste, weil in den USA bei einer Sendung derselben Produktionsfirma ein Unfall passiert ist. Aber Unfälle gehören bei diesem Sport einfach dazu. Wenn ich eine Verletzung am Finger habe, kommt eine Bandage drauf und weiter geht’s. Da ist es natürlich sehr hilfreich, wenn man jemanden hinter sich hat, der das auch unterstützt und ermöglicht.  

Wie steht es mit deinem fünfjährigen Sprössling?

Ich muss ihm nichts vorzeigen oder schmackhaft machen, denn er soll das selber für sich entscheiden. Ich kann ihm nur meine Erfahrungen mitgeben, aber es muss von ihm aus kommen. Er fährt Motorrad und Fahrrad, läuft auf dem Seil und macht Kampfsport. Aber er selber hat den Ehrgeiz, holt den Mut und macht die Erfahrungen.

Geht man nach all den Jahren im Geschäft weniger Risiken ein?

Ich habe sehr viel Respekt vor meinem Job, aber durch die ganzen positiven wie auch negativen Erfahrungen bin ich kontrollierter und vorsichtiger geworden. Es gab nie einen Fall, den ich als unsicher eingestuft habe, es dann aber trotzdem durchgezogen habe. Dummheit ist, wenn ich als Extremsportler gegen mein Bauchgefühl handle. Die meisten hören mit etwa 40 Jahren auf, aber ich behaupte, in meiner Disziplin geht auch noch in meinem Alter. Und zudem hat mich bis jetzt noch niemand geschlagen. 

Verleiht dir das öffentliche Publikum einen zusätzlichen Adrenalinschub?

Das Publikum ist Zirkuswelt. Logisch ist es motivierend, wenn 2'500 Leute meiner Show zuschauen. Weltrekorde sind schön, aber es ist nicht alles. Mir geht es in erster Linie darum, noch nie Dagewesenes zu bewältigen. Schon als kleiner Junge wollte ich eine Seilbahn hinauflaufen. 1989 konnte ich es dann tatsächlich durchführen. Bereits mit vier Jahren stand ich auf dem Seil, mit elf Jahren dann auf dem ersten Hochseil. Ich konnte in meiner Laufbahn viel Erfahrung sammeln und Trainings absolvieren, in den USA habe ich auf dem Hochseil bis zu drei Shows pro Tag gemacht. Ich hatte einen Traum, Strecken zurückzulegen, die noch niemand zurückgelegt hat. Das Unmögliche möglich machen.

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